Lithium-Abbau: Der Widerstand gegen das „Weiße Gold“ wächst

Lithium-Abbaugebiet in Bolivien

 
 
 

In Südamerika wächst der Widerstand gegen den Abbau des Leichtmetalls, das für die Elektromobilität aber benötigt wird.

Am 1. März hielt Argentiniens konservativer Präsident Mauricio Macri vor dem Kongress in Buenos Aires eine Rede zur wirtschaftlichen Zukunft seines Landes. Der Staatschef sagte in triumphalem Ton: „Die Welt redet über Lithium, und wir haben enorme Vorräte in Catamarca, Salta und Jujuy.“

Tatsächlich lagern dort riesige Reserven des Leichtmetalls, das gerade in den Industrienationen gehypt wird. Lithium braucht man vor allem, um Batterien herzustellen – etwa in der Automobilindustrie, die voll auf E-Mobilität setzt. Die Ureinwohner Argentiniens fürchten Auswirkungen auf ihre Lebensgrundlagen. „Heute Lithium, morgen Hunger“ – fassen die in der Region lebenden Kolla-Ureinwohner die Bedrohung für sich zusammen. Die Kolla leben im Wesentlichen von der Lama-Zucht und der Landwirtschaft.

Lithium: Gewinnung des weißen Goldes gelingt nur unter Einsatz von Chemikalien

Nach Berechnungen der Risikoanalyse-Firma Global Data wird sich die Lithium-Produktion bis 2022 verdreifachen. 86.000 Tonnen mehr als bisher würden in dieser Zeit gefördert werden. Und eine große Rolle in dieser Voraussage spielen auch Chile und Bolivien, die an die drei lithiumreichen argentinischen Provinzen grenzen. In diesem Dreiländereck lagern vermutlich bis zu 80 Prozent der weltweiten Vorkommen des strategisch wichtigen Metalls. Die Reserven werden auf zehn Millionen Tonnen geschätzt.

Noch ist Australien führender Produzent mit 18.300 Tonnen jährlich, gefolgt von Chile mit 14.100 Tonnen. Weit dahinter erst liegt Argentinien mit 5500 Tonnen. Doch das wird sich ändern, wenn die Regierung in Buenos Aires ihre Pläne durchsetzt. Künftig könnte das Land gemeinsam mit Australien zum führenden Produzenten des „weißen Golds“ aufsteigen und laut Global Data 29 Prozent zur weltweiten Förderung beitragen.

Für die Kolla-Indigenen ist das eine fürchterliche Vorstellung: Denn die Gewinnung des weißen Goldes ist sehr wasserintensiv und gelingt nur unter Einsatz von Chemikalien. Für den Abbau des Metalls werden Zehntausende Liter Süßwasser pro Stunde benötigt – und das in einer Region, in der es wenig regnet und das Gleichgewicht zwischen Salz- und Süßwasser sehr fragil ist. Das Trinkwasser könnte auf mittlere Sicht irreversibel kontaminiert und so die Existenzgrundlage der in der Region noch lebenden 60.000 Kolla-Indianer gefährdet werden.

Argentinien: Kolla-Ureinwohner protestieren gegen geplante Lithium-Abbauprojekte

Im Februar protestierten die Ureinwohner wochenlang gegen die geplanten Lithium-Abbauprojekte und kritisierten, dass die Konzerne „ihr heiliges Territorium“ einfach besetzten. Die Lithium-Konzerne würden die Böden mit ihren Chemikalien verseuchen und die Lamas dadurch krank und mit Missbildungen geboren werden, kritisiert Cecilia Sustersic vom Netzwerk „Red Ambiental y Social“. „Die Konzerne gefährden das Leben an sich hier“, unterstreicht die Aktivistin. „Wir werden ihnen nicht gestatten, dass sie hier ein strategisch wichtiges Metall abbauen, um den weltweiten Konsum zu befriedigen, und uns dafür an den Abgrund führen.“