Coronavirus in Südamerika angekommen

Reisende mit Schutzmasken am Guarulhos International Airport Sao Paulo
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In Brasilien hat ein Test die erste Infektion bestätigt. Erinnerungen an den Kampf gegen das Zikavirus werden wach.

Rio de Janeiro. Nun hat das Coronavirus Brasilien erreicht. Betroffen ist ein 61-Jähriger, der sich offenbar bei einer Italienreise infizierte und inzwischen nach Sao Paulo zurückgekehrt ist. Der Fall wurde vom brasilianischen Gesundheitsministerium bestätigt. Damit ist Brasilien das erste Land in Lateinamerika, in dem eine Coronavirus-Infektion bestätigt wurde. Das „Hospital Israelita Albert Einstein“ teilte mit, der Mann befinde sich in einem guten und stabilen Zustand und müsse nicht stationär behandelt werden. Allerdings wurde eine 14-tägige Quarantäne verhängt.

Aus der Hauptstadt Brasilia wurden am Mittwoch drei weitere Verdachtsfälle gemeldet, die allerdings bis Mittwochabend nicht bestätigt wurden. Brasilien erwägt nun Flüge aus Ländern zu prüfen, in denen das Coronavirus bereits aufgetreten ist. Davon wären auch Direktflüge aus Deutschland und Italien betroffen. Die Regierung des bevölkerungsreichen Bundesstaates Sao Paulo, in dem rund 22 Millionen Menschen leben, hat die Gründung eines Komitees zur Eindämmung des Virus angekündigt: „Krieg ist Krieg“, sagte der Leiter und Mediziner David Uip der Tageszeitung „Folha“. Es gelte nun alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Der Kampf gegen das Corona-virus erinnert an die Verbreitung des Zikavirus vor gut vier Jahren. Damals blickte die Welt nach Brasilien, weil die Olympischen Spiele 2016 vor der Tür standen. Diesmal stehen die Olympischen Spiele in Tokio 2020 im Fokus, auch wenn die Organisatoren eine Absage, ähnlich wie damals in Brasilien, kategorisch ausschließen.

Vor vier Jahren gingen Bilder von Säuglingen um die Welt, die mit einem verformten, zu kleinen Kopf geboren wurden. Die Fehlbildung wurde durch das Zikavirus verursacht. Das sorgte vor allem bei schwangeren Frauen für Panik. Übertragen wurde das Virus von Mücken, der Erreger verbreitete sich rasend schnell, bis Ende 2016 waren 48 Länder in Lateinamerika und der Karibik vom Zikavirus betroffen.

Zikavirus unter Kontrolle

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief im Februar 2016 den globalen Gesundheitsnotfall aus. Das Virus sprang allerdings nicht flächendeckend nach Europa oder in die USA über, weil die Mücken ein bestimmtes Klima bevorzugten.

Brasilien Regierung reagierte damals mit einem Notprogramm. In vielen Städten und Regionen, in denen die Mücke besonders aktiv war, wurden Insektengifte versprüht, Schwangeren wurden von Reisen in die betroffenen Regionen abgeraten. Kondome sollten die Ausbreitung über Sexualverkehr verhindern.

In der Olympiastadt Rio de Janeiro war der Kampf besonders intensiv. Es gab Informationsstände und Flyer, im Fernsehen informierte die Regierung über mögliche Risiken wie stehendes Wasser, in denen sich die Moskitos besonders gerne vermehren.

„Der große Ausbruch ist zwar beendet, aber das heißt nicht, dass das Virus aus Lateinamerika verschwunden ist“, sagte der Mediziner Philip Eisermann vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg dem deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Nach wie vor stecken sich Menschen dort an, allerdings deutlich weniger.“

Inzwischen ist das Zikavirus unter Kontrolle und aus den Medien verschwunden, auch weil keine internationale Großveranstaltung mehr in Gefahr ist. Zur Hochzeit der Epidemie wurden in Brasilien 56.000 Erkrankte gezählt, im Jahr darauf waren es 274.000. Danach aber war der Scheitelpunkte überschritten. Bis heute ist das Zika-Virus wissenschaftlich noch gut gegnug erforscht, um zuverlässig sagen zu können, warum es sich in Lateinamerika so intensiv ausbreiten konnte.