Brasilien meldet mehr als 37.000 Neuinfektionen binnen eines Tages

Lateinamerika entwickelt sich zunehmend zu einem der weltweiten Brennpunkte der Corona-Krise
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Seit Wochen steigen die Infektionszahlen. Nun verkünden die Behörden einen neuen Tageshöchststand. Dennoch werden Maßnahmen weiter gelockert, die WHO ist äußerst besorgt.

Brasilien meldet 37.300 Neuinfektionen mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden – ein neuer Tageshöchststand. Mit 1.338 zwischen Montagabend und Dienstagabend erfassten Toten in Zusammenhang mit Covid-19 erreichte zudem diese Opferzahl den zweithöchsten Wert seit Ausbruch der Pandemie, wie das Portal G1 auf Grundlage von Daten des brasilianischen Gesundheitsministeriums berichtete. Demnach starben in Brasilien bisher 45.456 Menschen, mehr als 928.800 wurden positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet.

Die tatsächlichen Zahlen dürften noch weit höher liegen, auch weil das Land sehr wenig testet.

In den vergangenen zwei Wochen erlebte Lateinamerikas bevölkerungsreichstes Land einen rasanten Anstieg der Corona-Fallzahlen – allein die USA haben weltweit noch höhere Zahlen an Infizierten und Toten. Dennoch werden in Brasilien vielerorts Maßnahmen gelockert, Geschäfte und Strände sind inzwischen wieder geöffnet.

Der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro hatte Covid-19 zu Beginn der Pandemie als „kleine Grippe“ verharmlost und damit für Verwirrung und Chaos gesorgt. Strenge Corona-Einschränkungen, wie sie in einigen Bundesstaaten verhängt wurden, lehnt Bolsonaro wegen der wirtschaftlichen Folgen ab.

Kritik an Bolsonaro wird lauter

Zuletzt allerdings ist die Kritik am Krisenmanagement der Regierung gewachsen. Die WHO-Expertin Carissa Etienne äußerte sich extrem besorgt über die Situation. Auf das Land entfielen 23 Prozent aller Infektions- und 21 Prozent aller Todesfälle in Nord- und Südamerika, sagte Etienne bei einer Pressekonferenz. „Und wir sehen nicht, dass die Ansteckungsrate sich verlangsamt“, fügte sie hinzu.

Auch in Brasiliens Nachbarland Peru bleibt die Ansteckungskurve hoch. Wie das Gesundheitsministerium in Lima am Dienstag mitteilte, starben inzwischen landesweit mehr als 7.000 Menschen an Covid-19. Die Zahl der Infektionen stieg demnach auf mehr als 237.000. Mehr als 10.000 Patienten werden im Krankenhaus behandelt. Trotz der dramatischen Zahlen sagte Gesundheitsminister Víctor Zamora bei einer Pressekonferenz, dass die Ansteckungsrate sich inzwischen verlangsame.

Insgesamt entwickelt sich Lateinamerika zunehmend zu einem der weltweiten Brennpunkte der Corona-Krise. In der Region starben mehr als 80.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion.