Bauernverband sieht Familienbetriebe durch Freihandelsabkommen bedroht

„Völlig unausgewogen“: Der Deutsche Bauernverband fürchtet mit dem neuen Freihandelsabkommen mit Südamerika einen verzerrten Wettbewerb. Die Betriebe in der EU seien wegen der hohen Standards benachteiligt.

Insbesondere Rindfleisch- und Geflügelzüchter und Zuckerbauern könnten betroffen sein: Am Entschluss der EU mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur die größte Freihandelszone der Welt aufzubauen, hat der Deutsche Bauernverband scharfe Kritik geäußert.

„Es ist nicht zu akzeptieren, dass die EU-Kommission diese völlig unausgewogene Vereinbarung unterzeichnet“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Er forderte die Staats- und Regierungschefs und das Europäische Parlament auf, die europäischen Standards für Landwirtschaft und Lebensmittel zu schützen. „Die Landwirtschaft darf nicht zugunsten der Automobilindustrie geopfert werden.“

Ungleiche Anforderungen bei Umwelt- und Klimaschutz, beim Antibiotikaeinsatz und beim Pflanzenschutz sowie die fehlende ausreichende Absicherung des europäischen Marktes würden zu einer dramatischen Wettbewerbsverzerrung führen. Das Abkommen gefährde die Zukunft „vieler bäuerlicher Familienbetriebe, die unter den hohen europäischen Standards wirtschaften“.

Import von Menschenrechtsverletzungen?

Die politischen Verhandlungen zwischen der EU und den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay waren am Freitagabend abgeschlossen worden. Sie liefen mit Unterbrechungen bereits seit dem Jahr 2000. Über das Abkommen sollen Zölle und andere Handelshemmnisse abgebaut werden, um den Warenaustausch zu stärken und Unternehmen Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe zu bringen.

Durch das Abkommen würden aber auch die Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung aber konterkariert, kritisierte der Bauernpräsident. Er forderte die Staats- und Regierungschefs – auf, auf ein ausgewogenes Ergebnis hinzuwirken.

Ablehnung kam auch von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Sie lehne „dieses unqualifizierte Freihandelsabkommen“ ab. „Wir importieren aus diesen Ländern künftig nicht nur Rindfleisch, sondern die mit der stark industriellen Produktion verbundenen Klimaschäden und menschenunwürdigen Produktionsbedingungen“, sagte die Handelsreferentin des Verbands, Berit Thomsen.

In Brasilien würden „Werte wie Menschenrechte mit Füßen getreten“, sagte Thomsen. Durch den Freihandel könnte es zum „Import von Menschenrechtsverletzungen“ kommen. Die Importe aus den Mercosur-Staaten würden „zu Marktstörungen in Europa führen, denn wir haben bereits einen vollen Rindfleischmarkt“. Erzeugerpreise auf den Bauernhöfen würden gedrückt. Der Verband forderte eine Handelspolitik, die bäuerliche Arbeit, Tierwohl, Klimaschutz und Artenvielfalt stärkte.

Der Staatenbund Mercosur ist mit einer Bevölkerung von mehr als 260 Millionen Menschen einer der großen Wirtschaftsräume der Welt. Die EU kommt sogar auf mehr als 512 Millionen Einwohner.