Rundreise durch Argentinien und Brasilien, 3. Teil

Die Sonne strahlt über Patagonien. Vor dem Hotel gehen die Ibise spazieren, Tulpen und Narzissen blühen, es wird Frühling.

5.Tag, Freitag, 6.10.2017 – El Calafate

Nach einem ausgiebigen Frühstück, wieder sehr lecker, spazieren wir in den Ort. Ziel sind ein kleines Museum und die Lagune Nimez. Diese Lagune am Lago Argentino ist Naturreservat und Rückzugsgebiet vieler Vögel. So sehen wir auf unserem Rundgang Magellangänse, Ibise, Flamingos, Enten, Schwäne und viele andere, deren Namen wir nicht immer kennen. Dazu gibt es eine wunderschöne Kulisse mit dem riesigen See und schneebedeckten Bergen. Nur der Wind, oder treffender der Sturm ist etwas lästig. Das ist aber in Patagonien fast Alltag.

In einer Panadaria rasten wir mittags bei Kaffee und Empanadas. Nach der Siesta im Hotel geht es weiter auf eine Farm, wie wir sagen würden, hier nennt man das Estancia. Wir haben diesen Ausflug auf die Estancia El Calpon gestern noch zusätzlich gebucht. Zwei Männer von der Etancia holen uns ab. Victoria begrüßt uns herzlich mit Kaffee/Tee und Snacks auf der wunderschön gelegenen Farm am Lago Argentina. Victoria erklärt uns auf ihre charmante Art das Leben auf der Estancia, wo es vor allem um die Schafzucht geht. Da gibt es einen „Swimming Pool“ für Schafe – wichtig für die Gesundheit der Tiere nach dem Scheren. Ein Gaucho demonstriert uns, wie mit Hilfe von Hunden die Schafe zusammengetrieben werden. Eine Methode, die einst schottische Siedler in Australien entwickelt haben. Hund Ecko, der persönliche Aufpasser Victorias, muss wohl auch mal zeigen, was er so kann und jagt die Schafe über die Weide. Wir erfahren erstaunliche Sachen über die Schafzucht: so leben die Tiere nur 7 bis 8 Jahre, dann sind vom harten Wintergras die Zähne hinüber; Pumas, Füchse und Hunde sind gefürchtet, weil sie Schafe in großer Zahl töten; warum Benetton (hat 2 Mio Hektar Land) und China verantwortlich für sinkende Wollpreise sind, dass der Nachbar 50.000 Schafe hält und warum Schafwolle gut für die Haut ist… Für die Schafschur gibt es eine eigene Halle mit entsprechender Ausrüstung fürs Scheren und Pressen der Wolle. Gemeinsam mit Hund Ecko schauen wir uns an, wie ein Schaf geschoren wird.

Inzwischen ist es Abend. Zeit um sich am Kaminfeuer aufzuwärmen und zu essen. Natürlich kommt auch Lammfleisch auf den Tisch. Es war eine schöne Zeit auf der Estancia El Calpone mit interessanten Einblicken in das Farmleben, mit einer herzlichen Betreuung, nichts Aufgesetztes, und das exklusiv für uns – schön.

  1. Tag, Samstag, 7.10.2017, Flug nach Salta

Auch heute strahlt die Sonne in El Calafate, was uns den Abschied nicht leichter macht. Beim Abflug zeigt sich Patagonien noch einmal von seiner schönsten Seite: wir starten über den türkisblau strahlenden Lago Argentina, sehen schneebedeckte Andenberge und weitere Seen wie den Lago Vedma. Nach drei Flugstunden sind wir wieder in Buenos Aires, wo wir zum Anschlussflug nach Salta umsteigen. Im achtgrößten Land der Erde sind wir heute über 4.000 Kilometer in den Nordwesten Argentiniens geflogen. Abends am Flughafen empfängt uns Annalisa mit „un beso“ mit einem Küsschen, wie sie halt so ist. Sie ist Italienerin und lebt seit 13 Jahren in dieser Region. Wir haben ein kleines Boutique Hotel in der Stadt, in einem älteren Gebäude, mit hohen Decken und jedes Zimmer ist individuell eingerichtet. Eine Augenweite ist die Bibliothek. Einige von uns gehen heute Abend noch in die Balcarce, eine Art Kneipenviertel mit Flaniermeile. Annalisa hatte uns noch den Tipp gegeben und uns das Café de tiempo empfohlen. Heute zum Sonnabend ist viel los, „sehen und gesehen werden“ ist angesagt. Bei milden Temperaturen sitzen wir draußen bei einem Bierchen, probieren Tamale (ein Brei aus Maismehl und Fleisch im Maisblatt) und schauen uns das Treiben an, fast ein bisschen wie im Kino…

  1. Tag, Sonntag, 8.10.2017 – Fahrt entlang der Strecke des Zuges in die Wolken – Salinas Grandes – Purmamarca

Erstmal ein Küsschen von Annalisa, dann verlassen wir Salta. Übermorgen nach unserer Rückkehr aus dem Hochland werden wir uns noch die Stadt näher ansehen. Von rund 1.000 Meter in Salta werden wir heute über 4.000 Meter hoch kommen. Bis San Antonio (3.775 m) führt unsere Route teilweise entlang der Bahnstrecke des sogenannten „Zuges in die Wolken“. Den Zug selbst sehen wir am kleinen Bahnhof von San Antonio stehen. Er verkehrt nur noch auf einer kleinen Teilstrecke.

Bevor wir mittags San Antonio erreichen, halten wir unterwegs einige Male für Fotos von der Eisenbahnbrücke, von der schönen Berglandschaft und von diesen riesigen Pasacanas, Kakteen, die über 10 Meter hoch werden und ganze Berghänge erobert haben. Jetzt im hiesigen Frühling beginnen die ersten zu blühen. Aus ihrem leichten und löchrigen Holz gibt es viele Artikel, von der Obstschale bis zum Schrank. Im Dorf El Alfarcito schauen wir uns die kleine Kapelle und die Schule an. Annalisa hat inzwischen Koka-Blätter ausgeteilt – einige Blätter davon in die Backe gestopft, den leicht bitteren Geschmack spüren und hoffen, dass es auch wirklich die Höhe erträglicher macht. Zumal wir gleich den ersten Pass erreichen. Das ist der Pass Abra Blanca auf 4.080 m Höhe. Wir steigen da nur kurz aus, denn der Wind ist kalt und kräftig.

Nach etwas Suchen finden wir in San Antonio das kleine Lokal für unsere Mittagspause. Die meisten von uns essen Lamafleisch, als Schnitzel oder Eintopf zubereitet. Der Nachmittag wird etwas anstrengend für uns, weil wir über rund 90 Kilometer eine Schotterpiste fahren müssen, auf der wir ordentlich durchgeschüttelt werden. Lange Zeit führt uns die Piste entlang des Salzsees Salinas Grandes. Wir halten, um Vicuñas zu beobachten, laufen auf einen Friedhofshügel und schließlich können wir den Salzsee auch betreten und sehen, wie Salz gewonnen wird.

Auf der Passstraße nach Purmamarca überholen wir LKWs aus Paraguay, welche Gebrauchtwagen aus Chile holen. Wir kommen bis auf 4.170 m Höhe, der Pass Jujuy ist der höchste Punkt unserer Reise. In Purmamarca (2.200 m) checken wir abends ins Boutique Hotel Colores de Purmamarca ein. Es liegt zu Füßen der bekannten farbigen Berge und macht von außen einen guten Eindruck. Allerdings enttäuschen uns die Zimmer, weil sie klein und spartanisch ausgestattet sind.

Das Abendessen haben wir in einem kleinen Restaurant im Ort. Bei Livemusik gibt es wieder Variationen von Lama…

  1. Tag, Montag, 9.10.2017 – Hügel der sieben Farben und Quebrada de Humahuaca

Schon von unserem Hotel aus kann man einige farbige Gesteinsschichten in den Bergen erkennen. Wir unternehmen eine kleine Wanderung durch diese bunte Bergwelt und kommen anschließen zum Markt von Purmamarca. Die vielen bunten Stoffe, welche die Händler an ihren Ständen anbieten, übertreffen noch die farbigen Berge. Den Rest des Tages halten wir uns in der so genannten Quebrada auf. Für Quebrada würden wir Schlucht oder Tal sagen. Als Teil des Inka-Pfades kam sie auf die UNESCO-Liste. Charakteristisch für die Quebrada sind die farbigen Berge, das grüne Tal mit kleinen Dörfern und Ackerbau sowie historischen Festungen. Auf der Strecke zwischen Purmamarca und Humahuaca sehen wir:

  • die Künstlerfarbenpalette bei Maimara – geschwungene farbige Gesteinsformationen, welche einer Farbpalette gleichen,
    • den Markt von Tilcara, hier werden Obst, Gemüse, Fleisch und Textilien verkauft. Für uns sind vor allem die vielen verschiedenen Kartoffelsorten und die grünen runden Zucchini interessant,
    • den Wendekreis des Steinbocks und damit der südliche Wendekreis in Huacalera. Gefeiert wird hier allerdings nicht die Sonnenwende im Dezember, sondern der 21. Juni, wenn die Sonne am nördlichen Wendekreis „umkehrt“ und hier die Tage wieder länger werden = Beginn des neuen Jahres
    • die kleine Kirche von Uqaia, bekannt für Bilder eines Cuzco-Schülers
    • die Festung Tilcara inmitten von Kakteen.

Das Abendessen findet im Restaurant La Posta nahe des zentralen Platzes von Purmamarca statt.

  1. Tag, Di., 10.10.2017 Rückfahrt nach Salta und Stadtbesichtigung – Flug nach Iguazu

Am Morgen verlassen wir das Andenhochland. In Purmamarca halten wir zunächst am Berg der sieben Farben, der den Ort so berühmt gemacht hat. Die Morgensonne lässt die Gesteinsschichten schön leuchten. Dann folgen wir dem Rio Grande talabwärts und damit wird die Landschaft allmählich grüner. Bei einem Stopp am Rio Grande sehen wir einige Kondore, die unser Fahrer Carlos entdeckt hatte. Passend legt er auch gleich mal „El Condor pasa“ auf. Schließlich erreichen wir Salta, die als schönste Stadt der Region gilt. Annalisa zeigt uns die schönsten Stellen der Stadt – vom Kloster Convento de San Bernardo mit einem schön geschnitzten Holztor und der farbenprächtigen Kirche Iglesia de San Francisco spazieren wir zum zentralen Platz Plaza de 9 Julio, wo wir die Kathedrale besuchen. In der Catedral Basilica de Salta finde zu dieser Zeit gerade eine Messe statt. Es bleibt noch Zeit, um sich in der Fußgängerzone umzuschauen, einen Kaffee oder Imbiss zu nehmen. Dann geht´s weiter zum Flughafen.

Mangels einer verfügbaren Direktverbindung am heutigen Tag fliegen wir via Buenos Aires nach Iguazu, das wir am späten Abend erreichen. Noch am Flughafen füllen wir mit dem örtlichen Reiseleiter Norberto das Einreiseformular für Brasilien aus, denn unser Hotel befindet sich jenseits der argentinischen Grenze. Den Rest erledigt praktischerweise Norberto für uns, weder bei der argentinischen noch bei der brasilianischen Grenzabfertigung müssen wir unseren Kleinbus verlassen. Schließlich sind wir glücklich, unser Hotel zu erreichen, um Kraft für morgen zu sammeln.

  1. Tag, Mi., 11.10.2017 – Ausflug zu den argentinischen Iguazu-Wasserfällen

Iguazu, „großes Wasser“, so nannten die Einheimischen den Fluss und seine etwa 275 Wasserfälle. Sie zählen zu den spektakulärsten Wasserfällen der Welt, eingebettet in subtropischen Regenwald faszinieren sie jeden Besucher. Klar, dass wir uns hier ausreichend Zeit nehmen, um dieses Naturwunder von verschiedenen Seiten zu erkunden. Die letzten Tage hat es in der Region viel geregnet. Pünktlich mit unserer Ankunft hat das Wetter auf Sonnenschein gedreht. Das heißt einerseits schweißtreibende 34 Grad und andererseits viel Wasser im Iguazu-Fluß. Norberto meint, es ist doppelt so viel Wasser als normal.

Zunächst wechseln wir am Morgen wieder auf die argentinische Seite. Vom Eingang des Nationalparks spazieren wir durch den Regenwald zu einer Bahnstation. Schon begegnen uns die ersten Nasenbären, die sich an Besucher gewohnt haben und es auf leichte Beute unter den Besuchermassen abgesehen haben. Diese Besuchereisenbahn ist jetzt nicht so die Attraktion, mit Schrittgeschwindigkeit geht es durch den Regenwald bis zur Station Garganta del Diablo. „Diablo“, also Teufel zeigt schon mal an, wohin die Reise geht: über einen 1.100 Meter langen Steg über den Iguazu-Fluß und zahlreiche Inseln kommen wir zum „Teufelsschlund“, eine U-förmige, 150 Meter breite und ca. 700 Meter lange Schlucht. Allerdings verhindert die Gischt, dass man diese Schlucht vollständig einsehen kann. Die Gischt kommt in einigermaßen berechenbaren Abständen, so dass man sich und die Kamera vor dem Sprühnebel ganz gut schützen kann.

Nach der Mittagspause erkunden wir weitere Perspektiven an den Wasserfällen. Barbara möchte uns dazu an dieser Stelle noch ihre Eindrücke schildern: Wir laufen wiederum auf Stegen mit Geländern durch den Regenwald und können uns auf verschiedenen Pfaden einigen der insgesamt 21 Wasserfällen ganz beträchtlich nähern. Zuerst von unten bzw. auf halber Höhe, denn die meisten Fälle bestehen aus zwei Katarakten. Die rotbraunen Wassermassen rauschen auf einen herab und weiter an dir vorbei in die Tiefe – dazu ohrenbetäubendes Getöse und im Sonnenlicht flirrender Sprühnebel – man wird feucht, was aber bei der Sonnenhitze nichts macht, nur das Objektiv der Kamera muss geschützt werden.

Dann steigen wir auf Niveau der herandonnernden Iguazu-Flusses und können direkt über der Abbruchkante stehend beobachten, wie die Wasser unter einem durchtosen und dann bis zu 70 m in die Tiefe stürzen. Es ist ein unglaublich gewaltiges Naturschauspiel, das zudem durch die Lichtbrechung auf jedem Foto einen Regenbogen garantiert. So sehen wir uns die Fälle „2 Schwestern“, „Chico“, „Ramirez“, „Bozetti“, „Adam und Eva“ und „San Martin“ (alle auf argentinischer Seite) an und sind von jedem neuen Ausblick fasziniert. Dazwischen entdecken wir im Regenwald nicht nur die obligatorischen Nasenbären, sondern auch Affen, Leguane und kleinere Eidechsen, Wasservögel, 2 Tukane und viele, viele bunte Schmetterlinge.
Nachmittag erholen wir uns von dem aufgrund der drückenden Schwüle etwas anstrengenden Ausflug im Hotel. In der weitläufigen Anlage laden Pool und Erlebnispfad durch einen Regenwald zum Verweilen ein. Abends sitzen wir bei leckeren Speisen vom Buffet gemütlich zusammen und freuen uns schon auf Morgen – Iguazu Teil 2.

  1. Tag, Do. 12.10.2017 – Brasilianische Iguazu-Wasserfälle und Flug nach Rio de Janeiro

Auch heute scheint die Sonne in Iguazu, was für ein Glück wir mit dem Wetter haben. Flächenmäßig hat Brasilien zwar den kleineren Anteil an den Wasserfällen, andererseits aber den Panoramablick auf die argentinischen Kaskaden und auf den Teufelsschlund. Leider muss ich heute Vormitttag das Bett hüten, aber Barbara ist so lieb und sagt uns, wie es war: Anfangs auf der Panorama Plattform drängen sich die Menschen – schließlich ist heute in Brasilien Feiertag – aber dann verteilen sich die Besucher auf den Stegen, die hier ähnlich wie auf argentinischer Seite durch den Wald führen mit wechselnden Ausblicken auf die Fälle, in oder über denen wir gestern standen. Es ist leider anfangs ziemlich diesig wegen der Gischt, aber je näher wir zum Ende des ca. 1,2 km langen Weges kommen, desto besser wird die Sicht. Am abschließenden „Sta.Maria“ und „Floriano“-Fall kann man auf einem Steg direkt unter die erste Stufe der Fälle laufen. Hier wird man durch die Gischt zwar definitiv völlig durchnässt, aber am Ende steht man mitten im Wasserfall! Auf der einen Seite tosen die Wasser von oben herab, bevor sie unter dem Steg durch rauschen, um wenige Meter weiter über die Kante in die Tiefe zu stürzen. All das im mystischen Wassernebel, durchbrochen von Sonnenstrahlen, und dazu ein ohrenbetäubendes Tosen und Krachen des entfesselten Wassers. – Ganz großes Kino der Natur!

Der Pfad endet hier und man fährt mit dem Fahrstuhl via weiterer Panoramaplattform hoch auf Straßenniveau, wo wir unseren Bus besteigen und zum Hotel zurückkehren, um uns trocken zu legen. Alle sind glücklich, vor der Weiterreise noch eine Dusche nehmen zu können. Dann geht´s zum Flughafen Foz do Iguaçu. Der liegt nur 2-3 Kilometer entfernt, quasi gleich um die Ecke.

Mit der brasilianischen Fluggesellschaft LATAM landen wir am frühen Abend in Rio de Janeiro, der letzten Station unserer Reise. Maik, Hamburger und seit 20 Jahren in Rio lebend, empfängt uns herzlich und irgendwie ist sofort klar, dass er uns mit seiner unkomplizierten Art und seinen super Ortskenntnissen eine tolle Zeit in Rio bescheren wird. Vor dem Abendessen außerhalb gibt es noch ein paar Sicherheitshinweise, dann kann einem schönen Abend nichts mehr im Weg stehen.

Den haben wir dann auch in einer Churrascaria, einem typisch brasilianischen Grillrestaurant, wo die Kellner das Fleisch an großen Spießen an den Tisch bringen und man sich nach Wahl Scheiben davon abschneiden lassen kann. „All you can eat“ vom Feinsten.

  1. Tag, Fr. 13.10.2017 – Rio de Janeiro – Altstadt und Zuckerhut

„Natürlich“ haben wir auch in Rio schönes Wetter. Regen ist erst angesagt, sobald wir abgereist sind. Bei unserer Stadtbesichtigung rund um den Zuckerhut zeigt uns Maik die schönsten Seiten seiner Stadt. Am besten kann das Barbara beschreiben:

Wir haben mal wieder Glück: Wegen des heutigen Brückentages (Freitag) ist viel weniger Verkehr als üblich in der Stadt, sodass wir ungestört erstmal zum Maracana –Stadion durchbrausen können. Dieses ist zwar nur von außen zu besichtigen, aber trotzdem eindrucksvoll, auch wenn Brasilien hier nicht nur Triumphe im Fußball gefeiert hat. Aber sich vorzustellen, dass da 90.000 Leute reinströmen…

Auf der Rückfahrt in die Stadt passieren wir das Sambadrom: Im Karneval ziehen an zwei Abenden jeweils 6 Sambaschulen mit je 4.000-6.000 Teilnehmern durch diese 900m langen Tribünen mit 77.800 Plätzen. Das ist bestimmt eine mitreißende Stimmung: Die Musik, die Shows und Kostüme und das südamerikanische Temperament. Wir fahren weiter ins Zentrum, nach Lapa, bewundern die gekachelte Treppe des chilenischen Künstlers Sela (gestorben 2013), mit der er 1990 angefangen hat und auf der Kacheln von Städten aus 150 Ländern und weitere Kunstwerke von ihm verbaut sind. Dann besichtigen wir die neue Kathedrale, einen modernen konischen Betonbau (1976) mit Durchmesser 10 6m bei 90 m Höhe. Freistehender Glockenturm. Innen ist die Architektur durch die Lichteinfälle der Glasfenster beeindruckend.

Wir spazieren ein bisschen durch das Viertel Carioca, das viele Kolonialbauten im sog. „Pariser Stil“ aufweist. Dazu moderne Hochhäuser aus Glas und Beton, dazwischen wiederum kleinere Stadtteilkirchen und Verwaltungsgebäude aus der Hauptstadtzeit von Rio (bis 1960), die nun als Bibliotheken, Museen oder Galerien genutzt werden. Auch Richtung Alter Hafen sind solche Gebäudekombinationen häufig und wir sehen den bescheidenen Palast, in dem der portugiesische König 1809-1821 auf seiner Flucht aus Portugal vor Napoleon residierte. Als er zurückging, ließ er seinen Sohn als Statthalter zurück, der sich alsbald zum ersten Kaiser von Brasilien krönen ließ (Dom Pedro I.). Damit vollzog er quasi ganz unblutig die Loslösung vom Mutterland und Staatsbildung vom Brasilien.

Maik zeigt uns noch seinen „Geheimtipp“, das Benediktinerkloster mitten im Zentrum ruhig und abgeschieden auf einem Hügel. 40 Mönche leben hier noch aktiv und die frisch renovierte Kirche strotzt nur so von goldenem brasilianischem Rokoko. Dann Mittagessen im berühmten „Café Colombo“ – wunderschönes Jugendstil-Kaffeehaus mit Klavierspieler, exzellentem Buffet und einer Atmosphäre wie im alten Wien. Danach schauen wir uns das Opernhaus von außen an, bevor wir uns dem heutigen Highlight widmen: der Fahrt auf den Zuckerhut.

Wir nehmen die Seilbahn, die in zwei Etappen erst auf den 220m hohen „Morro da Urca“ und von dort auf den Zuckerhut („Pao de Acucar“, 396 m) fährt. Die erste Bahn wurde 1912 von einer Kölner Firma gebaut, mittlerweile hängt die 3. Generation von Gondeln (CWA, Schweiz) in den Seilen. Der Dunst hat sich weitgehend gelichtet, sodass auch der Christus auf dem Corcovado für uns sichtbar und fotografierbar die Arme ausbreitet. Allerdings stört nun die hochstehende Nachmittagssonne – aber was soll’s, dafür hatten wir keine Wartezeit an der Seilbahn und hier oben auch wenig Leute. Rio liegt uns zu Füßen mit seinen Stränden, Hügeln, Hochhäusern, Favelas. Was für ein grandioser Ausblick! Auch als wir uns nach einer halben Stunde satt gesehen haben und staufrei wieder nach unten fahren, bleiben die Bilder im Kopf.

Den Abend verbringen wir unterschiedlich, z.B. mit einem Gang an den abendlichen Strand von Copacabana, der von unserem Hotel nur 5 Minuten fußläufig entfernt ist.

  1. Tag, Sa. 14.10.2017, Rio de Janeiro – Corcovado und Heimflug

Es ist neben dem Zuckerhut das Wahrzeichen von Rio, der Corcovado mit der Christusstatue. Auf den 700 Meter hohen Buckligen (=Corcovado) gelangen wir mit der 1884 erbauten schweizer Zahnradbahn. Obwohl wir vor 9.00 Uhr an der Talstation sind, ist schon großer Andrang. Und Maik stößt hier mit seinen Beziehungen auch an seine Grenzen. Er sagt uns, wie wir uns in der Bahn am besten platzieren, um auf der 3,5 Kilometer lange Fahrt möglichst viel zu sehen. Diese Fahrt führt hauptsächlich durch üppig grünen Wald. Auf dem Gipfel stürzen wir uns in die Besuchermassen. Dabei gilt es aufzupassen, wo man hintritt, denn ganz Schlaue legen sich auf den Boden, um das vermeintlich besondere Foto zu schießen. Irgendwie bekommen wir es hin, an diesem exponierten Ort ein Gruppenfoto aufzunehmen, mit dem Cristo Redentor, so nennt man hier die Christus- bzw. Erlöserstatue. 1931 wurde die über 30 Meter hohe Statue eingeweiht. Jetzt noch einen Platz am Geländer sichern und dann die Aussicht genießen, auch wenn es aufgrund des leicht diesigen Wetters nicht ganz der Postkartenblick ist.

Zurück in der Stadt unternehmen wir noch einen Abstecher zu einigen der bekanntesten Buchten der Stadtteile Leblon, Ipanema und Copacabana. An unserem freien Nachmittag gehen Barbara und ich zur berühmten Copacabana. Einmal zumindest den Fuß ins Wasser halten…auch die Einheimischen scheuen das kalte Wasser und ziehen Sonnenbaden vor. Und das sind Tausende, die sich dicht im weißen Puderzuckersand bräunen. Andere sind aktiver, spielen Volleyball und ein Stück weiter gibt es Strandfußball, der Klassiker Brasilien gegen Argentinien. Und da ist noch diese eine Besonderheit, die uns auffällt: schwarze Wasserschläuche feuchten den Sand an, damit man sich nicht die Füße verbrennt. Viel zu schnell vergehen die letzten Stunden unseres Urlaubs.

Am Abend müssen wir uns von Rio de Janeiro verabschieden. An dieser Stelle einen besonderen Dank an Maik, der uns mit seinem Insiderwissen eine tolle Zeit in Rio beschert hat. Kurz nach 22.00 Uhr hebt dann unser Jumbojet in Rio ab.

  1. Tag, So. 15.10.2017, wieder zu Hause

Europa empfängt uns von seiner schönsten Seite. Die letzten Flugstunden sind wirklich außergewöhnlich und bringen uns selten schöne Aussichten. Über Nizza schweben wir ein, schon jetzt kann man den Mt. Blanc sehen, fliegen über die Po-Ebene, die Tessiner Seen, Schweizer Alpen, Vierwaldstätter und Zürichsee…alles bei klarer Luft super zu sehen!

Sanft landen wir in Frankfurt und nach einem kurzen Weiterflug sind wir am Abend zu Hause. Wir freuen uns auf goldene Oktobertage wie aus dem Bilderbuch (es soll ja Leute geben, die schon Winterreifen aufgezogen haben…)

(Text & Bild: Frank Nimschowki für Eberhardt-Travel.de)